Wer ein Bau- oder Sanierungsprojekt plant, sollte neben gestalterischen und energetischen auch ökologische Aspekte beachten. Denn in einem Haus und seinen Bauteilen stecken viele Ressourcen und Energie. Diese sogenannte „Graue Energie“ entsteht hauptsächlich bei der Herstellung, aber auch beim Transport und Einbau. (zum Merkblatt „Graue Energie“)

Deshalb macht es oftmals Sinn, die bestehende Bausubstanz zu erhalten und ein vorhandenes Haus zukunftsfähig zu sanieren. Dazu gilt es zunächst die existierende Substanz richtig zu beurteilen: am besten bei einer ersten Begehung mit Unterstützung von Architekten oder anderen Baufachleuten. Gemeinsam lassen sich exemplarisch Fragen klären wie:

  • Wie alt ist das Haus und in welchem Allgemeinzustand ist es?
  • Welche Baustoffe wurden wo im Gebäude verbaut?
  • In welchem Zustand befinden sich die einzelnen Bauteile und können diesen im Rahmen einer Sanierung im Gebäude bleiben?
  • Besteht Analysebedarf, ob aus heutiger Sicht als Schadstoffe klassifizierte Produkte verbaut wurden?
  • Gibt es Schimmel- oder Pilzbefall, sind Feuchtigkeitsschäden erkennbar, riecht es entsprechend und was sind die Ursachen dafür?
  • In welchem Zustand ist die Haustechnik – vor allem die Heizungsanlage?
  • Sind die Rohre ausreichend isoliert, rostfrei und ist die Trinkwasserhygiene beziehungsweise Schutz vor Legionellen gegeben?

Vorausschauende Planung und Lebenszyklusanalysen

Um im Sinne der Bauökologie nachhaltig und ressourcenschonend zu bauen, müssen Gebäude ganzheitlich und im Zeitverlauf betrachtet werden. Dafür empfiehlt sich eine Lebenszyklusanalyse. Diese ermöglicht es, die – ökonomischen wie ökologischen – Aufwendungen über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes hinweg auf der Grundlage einer fundierten Planung zu minimieren und gleichzeitig die Nutzungsqualität zu verbessern.

Der Lebenszyklus eines Gebäudes umfasst drei Phasen: Herstellung, Nutzung und Rückbau.

  • In die Herstellungsphase fallen die Baustoffproduktion und die Errichtung des Gebäudes.
  • Die Nutzungsphase nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Für neu gebaute Einfamilienhäuser etwa werden rund 50 bis 80 Jahre angenommen. Die Nutzung kann durch Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen nochmals deutlich verlängert werden.
    Auch Umnutzung- oder Weiternutzungskonzepte können die Nutzungsphase ausdehnen. Daher ist es sinnvoll, direkt in der Planungsphase verschiedene Optionen der Nutzung im Zeitverlauf mitzudenken und möglichst flexible Strukturen zu schaffen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite „Nachhaltiger Wohnraum“.
  • Schließlich endet der Lebenszyklus eines Gebäudes mit dem Rückbau, der Wiederverwendung der Bauteile und Materialien oder dem Recycling.

In der aktuellen Bewertung von Gebäuden spielt der Lebenszyklus noch keine große Rolle. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es sich rechnet, wenn man etwas mehr Aufwand in die Planung und Errichtung mit nachhaltigen Baustoffen steckt.

Rückbau und Wiederverwertbarkeit bedenken

Die Rückbau-Phase wird bisher allgemein noch kaum berücksichtigt. Wegen des großen Ressourcenverbrauchs für Baustoffe und der zunehmenden Verknappung von Rohstoffen sollten der Aufwand für den Rückbau und die Wiederverwertbarkeit der Materialien von Anfang an mitgedacht werden. Dies bedarf einer sorgfältigen Planung: so sind beispielsweise Konstruktionen mit einfach lösbaren Verbindungen wie Schrauben, Bolzen oder bestimmten Fügetechniken wiederverwendbar. Vorteile bieten auch die modulare Bauweise und der Einsatz von vorgefertigten Bauteilen, die relativ leicht und zerstörungsfrei aus der Baukonstruktion herausgelöst werden können. Zudem spart man durch den hohen Grad an Vorfertigung bei der Montage vor Ort Handwerkerleistungen und Kosten ein.

Zusätzlich sollte auch der Gesundheitsschutz bereits von Anfang an in die Planung mit einfließen. Das heißt, dass ausschließlich umwelt- und gesundheitsverträgliche Baustoffe verwendet werden.

Allgemein sollte bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen das natürliche Gleichgewicht so wenig wie nötig gestört werden. Um den Einfluss möglichst klein zu halten, gilt es verschiedene Aspekte hinsichtlich Naturnähe, Biodiversität und Artenschutz zu beachten.