„Hinter halb vorgehaltener Hand sprachen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon von einer Drei-Klassen-Gesellschaft“, verrät Stefan Oehler, Nachhaltigkeitsexperte und Energieberater der „ARGE schmidtploecker + Werner Sobek Frankfurt“. Die sehr unterschiedlichen räumlichen Bedingungen in den drei Gebäudeteilen der Sparkasse Groß-Umstadt sorgten auch für ein sehr unterschiedliches Arbeitsklima. Aber der Sanierungsbedarf war nicht nur gefühlt. Hohe Nebenkosten, hoher Strom- und Energieverbrauch machten sich auf dem Betriebskonto bemerkbar. Das passte weder zum Spargedanken noch zum Nachhaltigkeitsanspruch einer Sparkasse.

Für Oehler stand die energetische Performance des gesamten Gebäudes in Frage: „Da kommt man nur mit einem ganzheitlichen Ansatz weiter, der sämtliche Faktoren mit einbezieht.“ Dazu zählten in Groß-Umstadt die Gebäudehülle, die Gebäudetechnik, erneuerbare Energien, der teilweise Umbau in Bürolandschaften, die Optimierung der Steuerung und des Stromverbrauchs – und nicht zuletzt: die Information aller Mitarbeiter. „Nach der Sanierung meinten einige, dass die Heizung nicht richtig funktioniere. Die Heizkörper würden gar nicht mehr so heiß wie früher“, erzählt der Energieberater. Dass das im sanierten Gebäude auch nicht mehr nötig ist, musste er erst erklären. Anschließend fühlte sich die Raumtemperatur von 23 Grad auch wie 23 Grad an.

90 Prozent weniger CO2-Ausstoß

Die energetische Sanierung kann man aber nicht nur fühlen, sondern wie es sich für eine Bank gehört anhand harter Zahlen prüfen: an gesunkenen Verbrauchswerten, an der monatlichen Stromrechnung und der jährlich gelieferten Pelletmenge. Unterm Strich sind für Oehler und sein Team die CO2-Emissionen entscheidend: „Die konnten wir um 90 Prozent reduzieren.“ Dass sich dabei auch das Arbeitsklima verbessert hat, die Drei-Klassen-Gesellschaft abgeschafft wurde und Platz für weitere Arbeitsplätze gewonnen wurde, ist eine angenehme Zusatz-Rendite.

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DAS PROJEKT IN STICHWORTEN
Sparkasse, Groß-Umstadt
Bauherr: Sparkasse Dieburg, Martin Prasch, Abteilungsdirektor Innenbetrieb
Architekt: schmidtploecker planungsgesellschaft Frankfurt, Christian Schmidt
Bauleitung: ARGE schmidtploecker + Werner Sobek Frankfur
Energieberatung: Werner Sobek Frankfurt (Tragwerk, Fassadenplanung, GreenTech, Bauphysik, Nachhaltigkeit, Zertifizierung), Stefan Oehler
Gebäudefläche: Energiebezugsfläche 6137 m
Baujahr: 1956 Anbau Kundenhalle / 1967 Neubau Hauptstelle / 1982 Erweiterung Hauptstelle / 2003 Umgestaltung Fassade
Sanierungsjahr: 2015/16

MAßNAHMEN
Außenwand: 26 cm Steinwolle (WLG 033) mit hinterlüfteter Natursteinfassade, Teilbereiche 25 cm Mineralwolle (WLG 033) verputzt
Dach: 23 cm PUR (WLG 026)
Kellerwand: 20 cm XPS (WLG 040), in Teilen 6 cm Calciumsilikat Innendämmung (WLG 050)
Fenster: Holz/Alu gedämmt, U**w**=0,97 W/m2 K
Heizung und Kühlung: zwei Holzpelletanlagen, Heizung über Radiatoren, Kälte über Holzpellets und Absorptionskälteanlage, Kühldecken, Umluft, adiabate Kühlung der Zuluft
Lüftung: WRG über alle Anlagen 71 Prozent, Frischluft 30 m3/h/pers, z.T. alte Anlagen, ergänzt um hocheffiziente Anlagen (WRG 82 Prozent)
Warmwasser: WC elektrisch, Küche über zentralen Pufferspeicher
Photovoltaik: zwei Anlagen mit 45.000 kWh/a Gesamtertrag

FINANZIERUNG
Eigenfinanzierung
Förderprogramme: k.A.

EFFEKTE
50 Prozent weniger Heizwärmeverbrauch, 35 Prozent weniger Stromverbrauch, 90 Prozent weniger CO2 Emissionen
Endenergiebedarf: vorher k.A. / nachher 110 kWh/m2a
Primärenergiebedarf: vorher k.A. / nachher 61 kWh/m2a
Luftdichtigkeit: Blower Door Test 0,9/h

90 Prozent weniger CO2?
Da lohnt sich ein Blick hinter die gedämmte Fassade

Arbeits- und Raumklima gehen Hand in Hand:
das Foyer der Sparkasse

Macht sich auch auf der Stromrechnung bemerkbar:
Umbau in optimierte Bürolandschaften