Das Foto zeigt einen Stapel an Magazinen und Zeitungen, das oberste ist aufgeschlagen. Im Hintergrund links ist eine Kaffeetasse erkennbar.

Seit über einem Jahr Pflicht: Variable Stromtarife

Mit der Wärmepumpe heizen, wenn der Strompreis günstig ist – oder den Akku laden

5. Mai 2026

Zukunft Altbau empfiehlt zu prüfen, ob sich ein Tarifwechsel lohnt

Seit dem vergangenen Jahr müssen alle Stromversorger in Deutschland variable Stromtarife anbieten. Damit werden Preisschwankungen an der Strombörse an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. Insbesondere für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mit einer Wärmepumpe kann sich das lohnen. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin. Bei der Nutzung eines solchen Tarifs beheizt die Wärmepumpe das Haus vorzugsweise dann, wenn der Strompreis gerade günstig ist. Wichtig ist dabei, dass das Haus über einen Pufferspeicher verfügt, der die Wärme zwischenspeichert. Auch für das Beladen eines Stromspeichers oder des Elektroautos kann ein variabler Stromtarif attraktiv sein. Voraussetzung, um einen entsprechenden Tarif richtig nutzen zu können, ist ein intelligentes Messsystem.

Fragen beantwortet das Team von Zukunft Altbau kostenfrei am Beratungstelefon unter 08000 12 33 33 (Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr) oder per E-Mail an beratungstelefon(at)zukunftaltbau.de

Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle deutschen Stromversorger einen variablen Stromtarif anbieten. Diese Tarife passen sich an die im Tagesverlauf schwankenden Börsenstrompreise an, statt einen festen Preis zu bieten. Wer eine Wärmepumpe zu Hause hat, kann dadurch Kosten sparen. Geheizt wird vor allem dann, wenn der Strompreis gerade niedrig ist. 

Klimafreundlicher sind variable Stromtarife ebenfalls. Denn der Börsenstrom ist vor allem zu den Zeiten günstig, wenn viel erneuerbarer Strom im Netz ist. Ist das der Fall, schaltet sich die Wärmepumpe bei Wärmebedarf automatisch an und beheizt das Haus. Überschüssige Wärme kann von einem Pufferspeicher zwischengespeichert werden. Er hält das Wasser über mehrere Stunden warm. Die Wärme gibt er möglichst dann an die Heizkörper ab, wenn wieder geheizt werden muss, der Strom aber gerade teuer ist.

Smart-Meter Bedingung für erfolgreiche Nutzung

Einen variablen Strompreis richtig nutzen kann man nur, wenn ein intelligentes Messsystem, auch Smart Meter genannt, vorhanden ist. Das intelligente Messystem empfängt vom Versorger Daten zum aktuellen Strompreis und steuert die Wärmepumpe entsprechend. „Ist der Strom günstig und muss geheizt werden, springt die Wärmepumpe an“, sagt Frank Hettler von Zukunft Altbau. „Ist der Strom teuer, verschiebt man das Anschalten so weit wie möglich auf später. Je mehr Wärme zeitweise in einem Pufferspeicher zwischengelagert werden kann und je besser dabei das Gebäude gedämmt ist, desto länger kann man auf einen günstigen Strompreis warten, ohne dass das Haus zu sehr auskühlt“. Technische Voraussetzung neben dem intelligenten Messsystem ist auch eine passende Funktion zur Regelung der Wärmepumpe.

Gut zu wissen: Das Gesetz zum Neustart der Energiewende sieht künftig eine schnellere Installation von Smart Metern vor. Ziel ist, bis 2032 alle Haushalte mit einem solchen Messsystem zu versorgen. Allerdings geht der Ausbau momentan schleppend voran. Anfang 2026 waren nur rund vier Prozent der deutschen Haushalte mit Smart Metern ausgestattet. Die Kosten für die Anschaffung werden per Gesetz gedeckelt. Sie betragen für viele Haushalte höchstens 30 Euro pro Jahr. Die jeweiligen Kosten sind abhängig vom Stromverbrauch sowie der Leistung der Photovoltaikanlage, sofern vorhanden. Zudem werden meist einmalig bis zu 100 Euro für die Installation fällig. 

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer müssen sich für ein solches intelligentes Messsystem an einen Messstellenbetreiber wenden. Das sind Firmen, die Stromzähler einbauen, betreiben und warten. Haushalte, deren Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden beträgt, die eine Photovoltaikanlage mit mehr als sieben Kilowatt Leistung besitzen oder die steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie eine Wärmepumpe oder eine Wallbox betreiben, sind laut Gesetz sogar dazu verpflichtet, ein intelligentes Messsystem zu nutzen.

Variabler Stromtarif auch für Solarstromspeicher oder E-Auto interessant

Interessant ist die Nutzung eines variablen Stromtarifs nicht nur in Verbindung mit einer Wärmepumpe mit Pufferspeicher, sondern auch in anderen Fällen. Wer etwa einen Stromspeicher besitzt, kann den Akku bei niedrigen Börsenstrompreisen und ausbleibendem Sonnenschein aufladen und den Strom dann nutzen, wenn der Strompreis höher ist. „Ist der Strom günstig, etwa nachts, wenn viel Windenergie im Netz ist, können Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer die Zeit nutzen, um ihren Speicher zu laden“, sagt Jürgen Taxis, Ressortleiter Energieeffizienz und Regenerative Energien beim Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg. „Früh morgens, wenn die Sonne noch nicht scheint und der Preis wieder höher ist, entlädt man die Batterie, um einen Teil des Stromverbrauchs zu decken.“ 

Nützlich ist der variable Strompreis auch, wenn man ein Elektroauto hat. Es kann bei günstigen Strompreisen geladen werden. Das spart Kosten. Bidirektionales Laden ist eine weitere Möglichkeit, von variablen Stromtarifen zu profitieren. Autos, die diese Funktion haben, können den billigen Strom aus dem E-Auto-Akku in Zeiten von hohen Strompreisen wieder in das Haus zurückspeisen. Diese „Vehicle to Home“ (V2H, vom Auto in das Haus) genannte Nutzung bieten bereits einige Hersteller in Verbindung mit einer geeigneten Wallbox an. Eine andere Variante, für die derzeit auf Bundesebene eine gesetzliche Regelung erarbeitet wird, ist die Rückspeisung aus dem Akku in das Stromnetz (Vehicle-to-Grid, V2G). Beim Kauf eines Elektroautos kann es sich also auch lohnen zu prüfen, ob das Auto technisch für bidirektionales Laden ausgestattet ist.

Für das Zurückspeisen von E-Auto-Akkus in das Netz hat der Bund zum 1. Januar 2026 die rechtlichen Hürden gesenkt. Wird Strom wieder in das Netz eingespeist, ist dieser Strom künftig von den Netzentgelten und der Stromsteuer befreit. Das vermeidet eine Doppelbesteuerung – beim Aufladen des Akkus hat man diese ja bereits bezahlt. 

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Smart Meter als Teil eines hausinternen Energiemanagements 

Die intelligenten Zähler können die Daten auch an ein Energiemanagement-System des Hauses weitergeben. Das in der Fachwelt Home Energy Management System (HEMS) genannte System ist eine zentrale, intelligente Steuereinheit, die das Stromnetz sowie Photovoltaikanlage, Solarstromspeicher, Wärmepumpe und Wallbox miteinander verbindet. Das aus Hardware am Zählerschrank und einer App bestehende HEMS optimiert den Solarstromeigenverbrauch, senkt Stromkosten durch Lastmanagement und ermöglicht Ladestrategien für das E-Auto. Eine Herausforderung in der Praxis ist jedoch noch, die verschiedenen Elemente der Hausenergieversorgung zusammenzubringen – die reibungslose Nutzung von HEMS ist daher noch nicht immer möglich. 

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Neue Förderung für Ladestationen in Mehrparteienhäusern

Der Bund fördert seit 15. April 2026 private Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern. Erhältlich sind pauschale Zuschüsse von 1.300 bis 2000 Euro pro Stellplatz. Den Spitzenfördersatz von 2.000 Euro gibt es für Ladepunkte, die bidirektionales Laden unterstützen. Alle Infos unter: www.laden-im-mehrparteienhaus.de 

Auskunft gibt auch das Team „Nachhaltige Mobilität“ der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW): www.kea-bw.de/nachhaltige-mobilitaet/kontakt.

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