Erneuerbare Energie und Wärmedämmung statt Heizöl und Gas

Heizung und Warmwasserbereitung verursachen knapp ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg. Insbesondere die Verbrennung fossiler Energieträger wie Heizöl und Gas ist eine wesentliche Ursache der Klimakrise. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) des Landes Baden-Württemberg trägt seit rund zehn Jahren dazu bei, dass sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung erhöht und damit der CO2-Ausstoß sinkt.

EWärmeG: Anwendung und Erfüllungsoptionen

Sobald sich Hauseigentümer in Baden-Württemberg eine neue Heizung zulegen, müssen sie nach dem Tausch 15 Prozent des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien decken.

Die Erfüllungsoptionen sind zahlreich: So können erneuerbare Energien wie Sonnenenergie, Umweltwärme oder Bioenergie genutzt oder Dach, Fassade oder Kellerdecke gut gedämmt werden. Sinnvoll ist, sich frühzeitig umfassend zu informieren. Das Merkblatt zum EWärmeG von Zukunft Altbau bietet einen Überblick über die gesetzlichen Bestimmungen.

Hackschnitzel -, Scheitholz- und Pellet-Zentralheizungen

Vollständig erfüllt werden kann das Gesetz mit Hackschnitzel -, Scheitholz- und Pellet-Zentralheizungen. Kachelöfen, Pelletöfen sowie Grundöfen, die 30 Prozent der Wohnfläche überwiegend beheizen oder die mit einer Wassertasche Wärme an das Zentralheizungssystem abgeben, erfüllen die Anforderungen ebenfalls vollständig. Fast alle Geräte müssen einen Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent vorweisen, Pelletöfen sogar 90 Prozent.

Solarthermie

Für Solarthermiekollektoren, die die Warmwasserbereitung und gegebenenfalls auch die Heizung unterstützen, werden in Ein- und Zweifamilienhäusern zur vollständigen Erfüllung 7 Quadratmeter Kollektorfläche pro 100 Quadratmeter Wohnfläche gefordert. Ab drei Wohneinheiten reichen sechs Quadratmeter Solarkollektoren je 100 Quadratmeter Wohnfläche aus. Nutzen die Eigentümer effizientere Vakuumröhrenkollektoren, darf die Kollektorfläche um 20 Prozent kleiner ausfallen.

Wärmepumpe

Entscheiden sich Hauseigentümer für eine elektrisch angetriebene Wärmepumpe, muss diese eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,5 erreichen. Zukunft Altbau empfiehlt, eine Jahresarbeitszahl von mindestens vier zu planen und einen Wärmemengenzähler zur Überprüfung einzubauen. Die Jahresarbeitszahl ist das Verhältnis von gewonnener Heizenergie zu eingesetzter elektrischer Energie. Wer Wärmepumpen nutzt, sollte außerdem über Flächenheizungen im Fußboden oder der Wand verfügen.

Bioöl und Biogas

Heizen mit einem Bioöl- und Biogasanteil erfüllt die Anforderungen des EWärmeG zu zwei Dritteln; das entspricht zehn Prozentpunkten. Der Nachweis erfolgt über die Brennstoffabrechnung. Für Biogas gilt eine Leistungsobergrenze von 50 Kilowatt. Bedingung ist dabei zudem eine Heizung mit Brennwertkesseltechnik. Damit ein Brennwertkessel effizient arbeitet, sollte – auch unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben – vom Heizungsbauer ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden. Die restlichen fünf Prozentpunkte müssen bei dieser Erfüllungsoption über eine andere Maßnahme abgedeckt werden.

Solarstrom

Wer das Gesetz mit der Erzeugung von Sonnenstrom vollständig erfüllen will, benötigt eine Photovoltaik-Anlage mit einer Spitzenleistung von zwei Kilowatt je 100 Quadratmeter Wohnfläche.

Möglich ist auch der Anschluss des Gebäudes an ein Wärmenetz oder die Erzeugung von Wärme in einem Blockheizkraftwerk.

Dämmung

Hauseigentümer haben als Alternative zur Nutzung von erneuerbaren Energien auch die Möglichkeit, eine Wärmedämmung anzubringen. Bei einem Dach entspricht eine Dämmung von rund 18 bis 24 Zentimetern Dicke den Anforderungen des Gesetzes, die als U-Wert definiert sind. Für Fassaden sind es 16 bis 18 Zentimeter Dicke. Die Dämmung der Kellerdecke wird mit einem Anteil von zehn Prozentpunkten angerechnet, sofern das Gebäude bis zu zwei Vollgeschosse hat. Für Gebäude mit bis zu vier Vollgeschossen können fünf Prozentpunkte angerechnet werden. Eine Dämmung von zehn bis 14 Zentimetern eines guten Dämmstoffes erfüllt in der Regel die Anforderungen. Auch wer seine Gebäudehülle  ganzheitlich saniert oder saniert hat, erfüllt das Gesetz. Bedingung ist, dass die Gebäudehülle bestimmte altersabhängige Mindestanforderungen erreicht.

Sanierungsfahrplan

Als Maßnahme ist auch eine individuelle Beratung mit Sanierungsempfehlungen zulässig, der sogenannte energetische Sanierungsfahrplan. Wer von einem Energieberater einen Sanierungsfahrplan erstellen lässt, erfüllt die gesetzlichen Anforderungen zu einem Drittel, das entspricht fünf Prozentpunkten. Der Fahrplan ist eine günstige Erfüllungsoption: Für Ein- oder Zweifamilienhäuser liegen die Kosten je nach Objekt in einer Größenordnung von rund 800 Euro, dafür gibt es eine ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes und Vorschläge für profitable Energiesparmaßnahmen. Auch der vom Bund geförderte individuelle Sanierungsfahrplan und die sogenannte vor-Ort-Beratung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfüllen das EWärmeG zu einem Drittel.

EWärmeG - weiterführende Infos und Beratung

EWärmeG Merkblatt

Einen schnellen Überblick zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz gibt unser Merkblatt: Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz. Dieses können Sie herunterladen oder im Materialshop bestellen.

Broschüre EWärmeG 2015 - Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz für bestehende Wohngebäude und Nichtwohngebäude

Weitere Informationen zum EWärmeG und den verschiedenen Erfüllungsoptionen finden Sie in der Broschüre EWärmeG 2015 - Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz für bestehende Wohngebäude und Nichtwohngebäude sowie auf der Seite des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

EWärmeG App

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